Antidepressiva absetzen: Absetzsymptome erkennen und begleiten

Stromschläge im Kopf, Schwindel, grippeähnliche Beschwerden — ein Antidepressivum zu reduzieren oder abzusetzen kann sehr reale Absetzsymptome auslösen. So erkennen Sie sie, unterscheiden sie von einem Rückfall und halten sie Tag für Tag fest, um die Reduktion mit Ihrem Arzt abzustimmen.

Information, kein ärztlicher Rat. Diese Seite hilft Patienten, besser zu beobachten und mitzuteilen, was sie spüren. Sie schlägt kein Reduktionsschema vor und ersetzt weder eine Sprechstunde noch einen ärztlichen Rat oder den Beipackzettel. Setzen Sie ein Antidepressivum niemals abrupt ab: jede Reduktion wird mit Ihrem Arzt entschieden und geplant. Bei Suizidgedanken erreichen Sie die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 (kostenlos, anonym, rund um die Uhr) oder im Notfall die 112.

Das Absetzsyndrom ist real — und kein Rückfall

Wenn man ein Antidepressivum reduziert oder absetzt, hat der Körper sich an den Wirkstoff gewöhnt. Ihn zu schnell zu verringern, kann ein Absetzsyndrom auslösen. Das ist weder ein Zeichen von Schwäche noch ein Beweis, dass Sie das Medikament „noch brauchen": Es ist eine vorübergehende körperliche Reaktion.

Es von einem Rückfall zu unterscheiden, ist entscheidend, denn beide erfordern unterschiedliche Antworten. Das eine mit dem anderen zu verwechseln, kann dazu führen, eine Behandlung wieder aufzunehmen, die man hätte beenden können — oder umgekehrt, dem Absetzen Symptome zuzuschreiben, die Aufmerksamkeit verdient hätten.

Eher Absetzsyndrom

  • Tritt schnell auf: 1 bis 3 Tage nach der Reduktion
  • Ungewöhnliche körperliche Symptome (Stromschläge, Schwindel)
  • Klingt in einigen Tagen bis Wochen ab
  • Oft gelindert, wenn die Reduktion verlangsamt wird

Eher Rückfall

  • Kehrt allmählich zurück, eher nach 2 bis 4 Wochen
  • Bildet die anfänglichen Symptome ab (gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit)
  • Setzt sich fest und bleibt, statt abzuklingen
  • Kaum körperliche „Stromschlag"-Symptome
Absetzsymptome Rückfall
Absetzsyndrom oder Rückfall? Beide folgen nicht derselben Kurve: Das Absetzsyndrom steigt nach der Reduktion schnell an und klingt dann ab, während der Rückfall später zurückkehrt und sich festsetzt. Genau diese Kurve, Tag für Tag notiert, hilft Ihrem Arzt zu entscheiden.

Die häufigsten Absetzsymptome

Sie betreffen vor allem Antidepressiva mit kurzer Halbwertszeit — allen voran Paroxetin (z. B. Seroxat, Tagonis) und Venlafaxin (z. B. Trevilor). Fluoxetin (z. B. Fluctin), mit langer Halbwertszeit, verursacht sie selten.

Stromschläge im Kopf („Brain Zaps") Kurze Empfindungen, manchmal bei Augenbewegungen
Schwindel, Gleichgewichtsstörungen Drehgefühl, der Boden scheint zu schwanken
Grippeähnliche Beschwerden Müdigkeit, Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Schweiß
Übelkeit Flauer Magen, besonders in den ersten Tagen
Schlafstörungen Einschlafprobleme, sehr lebhafte Träume, Albträume
Emotionale Labilität Reizbarkeit, Angst, Weinkrämpfe, Stimmungsschwankungen

Im Englischen fasst die Eselsbrücke FINISH sie zusammen: Flu-like (grippeähnlich), Insomnia (Schlaflosigkeit), Nausea (Übelkeit), Imbalance (Gleichgewichtsstörung), Sensory disturbances (Stromschläge, Sensibilitätsstörungen), Hyperarousal (Angst, Reizbarkeit).

Wann treten sie auf, und wie lange dauern sie?

Absetzsymptome beginnen meist 1 bis 3 Tage nach einer Dosisreduktion oder dem Absetzen. Ihre Dauer schwankt: bei den meisten Menschen einige Tage bis wenige Wochen, manchmal länger. Die entscheidende Regel: je schrittweiser die Reduktion, desto sanfter das Absetzen. Genau dieses Tempo der Reduktion stimmen Sie mit Ihrem Arzt ab — und präzise Notizen machen das möglich.

Warum man Tag für Tag festhalten sollte

Während einer Reduktion ist das Gedächtnis ein schlechter Ratgeber: Beim Termin weiß man nicht mehr, ob der Schwindel am 2. oder 6. Tag kam, oder ob er stärker wird oder abklingt. Doch genau diese Kurve sagt Ihrem Arzt, ob er verlangsamen, das Niveau halten oder fortfahren soll.

In PsychoDose halten Sie jeden Tag in 90 Sek. Energie, Schlaf, Stimmung und Beschwerden fest — mit dem Datum jeder Dosisänderung. Nach zwei Wochen haben Sie eine klare Kurve: „Die Stromschläge begannen 2 Tage nach der Reduktion auf 10 mg, Höhepunkt am 5. Tag, jetzt abklingend." Damit kann ein Arzt entscheiden.

Die Signale, bei denen Sie den Arzt anrufen müssen

Die meisten Absetzsymptome sind unangenehm, aber ungefährlich. Einige erfordern schnellen Kontakt:

Bei Suizidgedanken erreichen Sie die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 (kostenlos, rund um die Uhr) oder im Notfall die 112.

Mit dem Arzt über die Reduktion sprechen

Mit datierten Notizen zu erscheinen, verändert die Sprechstunde. Statt „ich hatte ein Auf und Ab" können Sie sagen: „Seit der Reduktion auf 37,5 mg am 12. habe ich jeden Morgen Stromschläge im Kopf, schlimmer an Tagen mit schlechtem Schlaf, und eine Reizbarkeit an 5 von 7 Tagen." Mit dieser Genauigkeit kann Ihr Arzt das Tempo anpassen, statt zu sagen „schauen wir nächsten Monat".

Sie reduzieren oder setzen ein Medikament ab? Halten Sie jeden Tag fest, was Sie spüren. 90 Sek. reichen.

PsychoDose öffnen